Mal wieder: Flughafen-Wundertüte

Kurze Zusammenfassung zum Wochenende: Reaktionen zum Massenrausschmiß am Flughafen, zur offenbar angedachten dortigen neuen Grundstücksverschenkung, außerdem: vorläufiger Gläubigerausschuß und verschwundene chinesische Millionäre.

In der Kommentarsektion von HL-Live gehen die Wogen hoch:

Ein von langer Hand vorbereiter [sic] Rausschmiß langjähriger erfahrener Mitarbeiter, ohne erkennbaren Grund nach welchen Kriterien ausgewählt wurde.

Was da abging war unter aller…..!

Ein pervides [sic] Spiel-wer sich da vor welchen karren [sic] hat spannen lassen….. !

Ohne angeblichen Interessenausgleich wurden m.E. hier wahllos Mitarbeiter auf übelste Weise entlassen.

Verdienen tun dabei doch wiedermal die …..

Den geplanten Rausschmiss nennt man auch Aufhübschung für den neuen Investor. Zur Zeit basiert anscheinend alles auf Lügen. Nun doch, auch gegenüber den gekündigten. Überstunden, Wochenende, Ehrenamt, Soziale Einbußen, jahrelang, all das wird nicht anerkannt.

HL-Live, 10. Dezember 2015

(Auslassungen durch HL-Live). Sollte es sich dabei um Kommentare gekündigter Mitarbeiter, Angehöriger oder Bekannter handeln, lassen sie nicht nur tief blicken. Die Frage stellt sich zudem, was für ein Spiel derzeit an der Landewiese gespielt wird. Nur: die A…karte haben immer die Beschäftigten, aber das ist nicht unbedingt flughafenspezifisch.

Zu einem umfassenden Bild gehört aber auch (wie schon mal in der Kommentarsektion erwähnt), daß die Stadt Ende 2012 vor der Übernahme durch den Investor Amar den damals knapp 100 Beschäftigten ein Übernahmeangebot unterbreitet hat, das – je nach Quelle – nur ein bis drei Beschäftigte annahmen.

Meines Wissens war das Angebot durchaus ernst gemeint, obwohl es klar war, daß es wohl nur eine Minderheit annehmen würde. Finanzielle Mittel hatte man immerhin für 20 Mitarbeiter reserviert. Insofern hat die Stadt, so zynisch das auch klingt, Geld gespart. Investor Amar spendierte als erste Amtshandlung eine Gehaltserhöhung und sprach von einer Verdreifachung der Beschäftigtenzahl… nun gut, darf sich der, der‘s damals geglaubt hat, heute noch beschweren?

Grüne gegen Verschenkung

Zur offenbar von der Verwaltung angedachten Verschenkung des Flughafenbetriebsgeländes liegt bislang erstaunlicherweise nur eine politische Reaktion vor – ist das Thema jetzt plötzlich langweilig, obwohl es „nur“ um Millionen von Euros geht? Oder ist man ob der Unverfrorenheit des Ansinnens schlicht überrascht?

Der Vorsitzende der Grünen Bürgerschaftsfraktion, Thorsten Fürter, erklärte:

Der Bürgermeister ist nicht der Weihnachtsmann. Das Verschenken städtischer Grundstücke an mögliche Flughafenbetreiber kommt überhaupt nicht in Frage. Ein Grundstücksverkauf darf keinesfalls unter Wert erfolgen. Angesichts der bisherigen Pachteinnahmen für die noch im städtischen Eigentum befindlichen Flächen beträgt der Grundstückswert keinesfalls unter fünf Millionen Euro. Dieser Wert müsste im Fall des Verkaufs mindestens vom Bürgermeister realisiert werden.

HL-Live, 11. Dezember 2015

Er fordert außerdem ein Abräumen des inzwischen völlig absurden Ausbauplans, der von der Entwicklung der letzten Jahre komplett überholt wurde, sowie die Streichung des Reinhardt-Bonus in Höhe von 5,5 Mio. Euro an einen „Investor“. Allein das Einstellen der andauernden Rechtsstreitigkeiten um den überflüssigen Planfeststellungsbeschluß würde Geld sparen.

Amtsgericht und Handelsregister

Unterdessen hat das Amtsgericht Lübeck in dem Insolvenzverfahren über das Vermögen der PuRen Germany GmbH (Registergericht: Amtsgericht Lübeck HRB 13960 HL), einen vorläufigen Gläubigerausschuß einberufen.

Ihm gehören folgende Mitglieder an:

  1. (Vertreter der absonderungsberechtigten Insolvenzgläubiger): Hansestadt Lübeck
  2. (Vertreter der Großgläubiger): Bundesagentur für Arbeit Kiel
  3. (Vertreter der Kleingläubiger): CONDOR FLIM – Gesellschaft für Flughafenlogistik und Infrastrukturmanagement mbH
  4. (Vertreter der sonstigen Gläubiger): Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung
  5. (Vertreter der Arbeitnehmer): Kristian Kagel, Vorsitzender des Betriebsrates

Aufgabe der Mitglieder des Gläubigerausschusses ist es, den Insolvenzverwalter bei der Geschäftsführung zu unterstützen und zu überwachen. Sie haben sich über den Gang der Geschäfte zu unterrichten sowie die Bücher und Geschäftspapiere einzusehen und den Geldverkehr und -bestand zu prüfen bzw. prüfen zu lassen (§ 69 InsO). Sie können auch die Entlassung des bisherigen Insolvenzverwalters beantragen.

Auch im Handelsregister gibt es Neuigkeiten. Ausgeschieden als Geschäftsführer der PuRen Airlines GmbH ist Yongqiang Chen, vermutlich auf Beschluß der Mehrheitsgesellschafterin, der mysteriösen Manli Li aus Hamburg, die nunmehr wohl auch einziger Geschäftsführer ist. Das Unternehmen hat zwei Tochtergesellschaften, die offenbar inaktive PuRen International Flight Academy und die inzwischen insolvente PuRen International Aircraft Maintenance.

Das Bonbon zum Wochenende

Aber nun mal ganz etwas anderes, was garantiert nichts mit den Vorgängen der letzten Monate in Lübeck und Lauenburg zu tun hat. In China mehren sich die Fälle verschwundener Geschäftsleute, die unerklärlicherweise nicht mal mehr per Mobiltelefon zu erreichen sind.

Das Rätselraten um den milliardenschweren Gründer der chinesischen Investmentgesellschaft Fosun geht weiter: Nachdem Guo Guangchang zwei Tage einfach von der Bildfläche verschwunden war, hat Fosun nach eigenen Angaben wieder Kontakt zu seinem Chairman. Er unterstütze die Behörden derzeit bei „bestimmten Untersuchungen“ auf dem chinesischen Festland, teilte das Unternehmen am Freitag nach langem Schweigen mit.

FAZ, 11. Dezember 2015

Eine vornehme Umschreibung für „er sitzt in Untersuchungshaft und darf jetzt wenigstens wieder telefonieren“?

Die FAZ schreibt ferner:

Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Monaten ihre Anti-Korruptionsermittlungen vor allem im Finanzsektor deutlich ausgeweitet. Eine ganze Reihe von Managern war vorübergehend nicht auffindbar.

Besteht da vielleicht ein Zusammenhang mit den Vorgängen an der Landewiese? Kann ich mir echt nicht vorstellen! 😯

4 Antworten auf „Mal wieder: Flughafen-Wundertüte“

  1. War da was ? Pleite in Lübeck, weil in China kein Wirtschaftswachstum mehr bzw. eingebrochen ist ? Fazit: Das war nie etwas, alle Zahlen wurden nur genannt, weil die Führung in Peking es so hören wollte ? Das darf man dann wohl auch Seifenblase nennen.

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Chinesische-Beamte-raeumen-Faelschung-ein-article16568581.html

    Aber geglaubt haben es alle. Kein Wunder, dass in allen Medien immer noch 76 -25 % = 50 ergibt.

  2. Man kann von einem Insolvenzverwalter nicht erwarten, dass er bei allen Unternehmen, die er bearbeitet, fundiertes Fachwissen besitzt.
    Allerdings hat Herr Pannen nun ja schon längere Einblicke durch die zweite Insolvenz am LBC.
    Somit könnte man die Kündigungen zwei Wochen vor Weihnachten , gelinde gesagt als „Ungeschickt“ bezeichnen, ich nenne es eine Sauerei.
    Vor Allem, weil Herr Pannen einen „Berater“ beschäftigt, der Ahnung von dem Flughafen haben sollte.
    Alle Geschäftsführer der letzten Jahre hätten wissen müssen, dass die Personalstärke nicht zu den schwachen Aktivitäten des LBC passte.
    Aber zuerst dachte man, das Geld kommt von nicht endenden Ölquellen, dann dachte man wohl, Reisfelder sind unerschöpflich. Warum sollte man da auf den Gedanken kommen, wirtschaftlich zu denken?
    Was mich aber wundert: Drei Monate zahlt die Bundesagentur für Arbeit, dann schafft der Insolvenzverwalter den Lohn für Dezember selbst, nun auch für Januar 2016, dazu kommen ja auch noch einige andere Kosten (Energie, Pacht an die Stadt usw.) Wie kann das angehen, kann man mit irgendwie locker gemachtem Geld einfach weitermachen bis nichts mehr da ist?
    Dann brauchen die Gläubiger sicher auf nichts mehr zu hoffen.
    Entsprechend könnte Herr Pannen ja vielleicht auch nach und nach noch ein paar Grundstücke verkaufen und jeweils die Löhne für weitere Monate zahlen.
    Das wäre dann ein schleichender Übergang an Immobilieninteressenten.
    Und die Stadt als Gläubiger würde zuschauen !!!!

  3. ich war ein paar Tage im Krankenhaus, habe soeben diesen Text gefunden. Sicher nur eine Formsache, was bedeutet das nun genau ?

    Zitat:
    ——————————-
    Amtsgericht Lübeck
    53a IE 2/15

    Beschluss
    In dem Insolvenzverfahren über das Vermögen der
    PuRen Germany GmbH (Registergericht: Amtsgericht Lübeck HRB 13960 HL),
    eingetragene Geschäftsanschrift: Sandkrug 15, 21481 Schnakenbek,
    tatsächliche Geschäftsanschrift: Blankenseer Straße 101, 23562 Lübeck,
    vertreten durch die Geschäftsführer Dr. Peter Steppe und Yongqiang Chen
    hat das Amtsgericht – Insolvenzgericht – Lübeck durch den Rechtspfleger Kern beschlossen:
    Gemäß § 67 Abs. 2 InsO angeordnet: Es wird ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt.
    (…)

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