Ächz: Weiterkrebsen bis Februar?

Offenbar hat Landewiesen-Insolvenzverwalter Prof. Pannen genug Geld zusammengekratzt, um den Flugbetrieb nicht nur bis Ende Januar, sondern Ende Februar aufrechtzuerhalten. Das legt jedenfalls eine neue Notice to Airmen (NOTAM) bezüglich der Öffnungszeiten nahe, die am 18. Dezember 2015 herausgegeben wurde. Außerdem eine gute Nachricht von einem Hamburger Flughafen-Experten: ein Ryanair-Comeback in Lübeck ist eher unwahrscheinlich.

Hier der NOTAM-Originaltext (Hervorhebung von mir):

C4484/15 - OPERATION HOURS: 0700-1900 DAILY. 18 DEC 17:12 2015 UNTIL 29 FEB 23:00 2016. CREATED: 18 DEC 17:13 2015

Übersetzt heißt das, daß der Flughafen Lübeck täglich zwischen 7 und 19 Uhr Ortszeit UTC [8 bis 20 Uhr Ortszeit] geöffnet ist. Interessanter ist die Geltungsdauer: bis 29. Februar 2016. Wenn man das so angibt, ist man sich wohl auch sicher, das auch bis dann durchziehen zu können.

Fragen

Das wirft natürlich einige Fragen auf. Zunächst mal: wo kommt das Geld her? Die Antwort ist vermutlich vielschichtig. Mit aktuell nunmehr nur noch 50 Beschäftigten statt über 90 bei der ersten Insolvenz hat man natürlich deutlich reduzierte Personalkosten (für 99 Mitarbeiter lagen die im Jahr 2011 bei über 3,3 Mio. Euro pro Jahr, oder 275.000 Euro pro Monat).

Reduktionen in den Öffnungszeiten und beim Brandschutz werden ebenfalls, wie andere Maßnahmen, die Betriebskosten gesenkt haben. Es könnte einige Verkäufe von nicht mehr benötigtem Inventar gegeben haben (evtl. hier?) Zudem soll der vom Insolvenzverwalter als Berater verpflichtete Sparkommissar inzwischen jede benötigte Schraube nur noch einzeln auf Antrag ausgeben. Außerdem drückt die Stadt, so war glaubwürdig zu hören, bei Auflagen wie z.B. dem Abwassermonitoring (die vorhandenen Anlagen sind technisch überholt) beide Augen noch mehr zu als bisher – unter dem Motto „ach, die sind doch insolvent. Einem nackten Mann greift man nicht in die Tasche.“

Wenn der angeblich nackte Mann genügend Mittel hat, um den Flugbetrieb bis Ende Januar, möglicherweise Ende Februar fortzusetzen, muß er auch genügende Mittel vorhalten, um allen Bestimmungen und Auflagen nachzukommen. Wenn nicht, müßte er eben doch früher dichtmachen, sofern sich kein Retter findet.

Der wichtigste Punkt wird aber der offensichtlich inzwischen erfolgte Verkauf des Sandkrughofs in Schnakenbek sein, dem ehemaligen Firmensitz des chinesischen Investors. Bis vor kurzem wurde die Immobilie noch im Internet angeboten, was üblich ist, solange ein Verkauf zwar angeleiert, aber nicht komplett unter Dach und Fach ist.

Aus der Tatsache, daß das Angebot nun verschwunden ist, kann man wohl auf Vollzug des Verkaufs schließen. Das sollte ein paar hunderttausend Euro in die Kasse der PuRen Germany i.I. spülen.

Retter läßt auf sich warten

Schlußfolgern kann man wohl schon jetzt, daß es nicht so einfach wird wie beim letzten Mal, und daß ein deus ex machina aus dem Reich der Mitte oder anderen Teilen der Welt bislang nicht aufgetaucht ist bzw. nicht von der CDU Lauenburg gefunden werden konnte 🙂

Vermuten darf man, daß die Interessenten knallharte Forderungen haben, die sie natürlich nicht dem Insolvenzverwalter stellen können, sondern der Hanselstadt™ Lübeck als Melkkuh. Vorsorglich hat der Herr Bürgermeister das Flughafengelände, das der Stadt nach wie vor gehört, wohl im Vorgriff auf eine geforderte Verschenkung schon mal par ordre du mufti für „ökonomisch wertlos“ für andere Zwecke erklärt.

Ich persönlich halte eine derartige Aussage nicht nur für falsch, was noch zu zeigen sein wird, sondern potentiell geeignet, die Interessen der Stadt nachhaltig zu schädigen. Was, bitte, will man denn noch verschenken nach den (nicht subventionierten) technischen Einrichtungen und Bauten, und den Grundstücken rund um den Flughafen – wobei ausgerechnet mal wieder der Insolvenzverwalter einige Millionen dafür einstreichen könnte. Und obendrauf verspricht die Stadt jedem „Investor“ 5,5 Mio. Reinhardt-Bonus für einen inzwischen völlig sinnlosen, von der Realität überholten Flughafenausbau. Geht‘s noch?

Gute Nachricht vom Experten

Damit kommen wir zur guten Nachricht des Tages.

Ryanair geht in Deutschland auf massiven Expansionskurs. In den kommenden fünf Jahren will die irische Billig-Fluglinie ihren Marktanteil von jetzt vier auf 20 Prozent ausbauen. Vor allem der Hamburger Airport könnte der große Gewinner sein.

Lübecker Nachrichten, Druckausgabe, 18. Dezember 2015, S.7

Nein, das war nicht die gute Nachricht, denn Ryanair erzählt viel, wenn der Tag lang ist, oder sorgt womöglich mit unverbindlichem Bla-Bla für Hysterie in der Presse. Aber nur für den Fall, daß da doch etwas dran ist:

Der Flughafen Lübeck dürfte aber kaum vom Ryanair-Wachstum profitieren. „Ich sehe jedenfalls keine Anzeichen dafür, dass Ryanair Hamburg den Rücken kehren und wieder nach Lübeck kommen wird“, sagt [der als Luftfahrt-Experte vorgestellte Cord] Schellenberg.

Nebenbei…

Hoffen wir, daß er recht hat. Einen Seitenhieb auf das in den Medien grassierende „Expertentum“ kann ich mir trotzdem nicht verkneifen: Schellenberg ist PR-Unternehmer und setzt sich als „Vize-Präsident des Luftfahrt-Presse-Club e. V. … ehrenamtlich für die Interessen von Journalisten und PR-Vertretern in der Luft- und Raumfahrt ein“ (Wikipedia).

Da ist nichts gegen einzuwenden, aber wieso kann man das, wenn man ihn zitiert, nicht deutlich machen – zum Beispiel auch, daß auf der Webseite der Firma Schellenberg & Kirchberg auch der Flughafen Hamburg als Kunde des Unternehmens erwähnt wird?

Nochmal zur Klarstellung: ich glaube, daß er in dem Punkt Ryanair und Hamburg Lübeck durchaus recht hat. Ich habe aber etwas dagegen, daß uns PR-Profis in den Medien pauschal als „Experten“ für irgend etwas verkauft werden, von denen man eigentlich annimmt, daß sie neutral seien. Wenn jemand als PR-Unternehmer tätig ist, ist das nicht per se ehrenrührig; man würde es zwecks persönlicher Einschätzung nur eben gerne gesagt bekommen und nicht erst im Internet recherchieren müssen.

 

Beitragsbild: Espressolia / pixelio.de

7 Antworten auf „Ächz: Weiterkrebsen bis Februar?“

  1. Im Grunde ist es nur eine Zeitverschiebung um 1. Std. Wenn ich mich nicht verrechnet habe müssten es nur 49 Personen an Personal sein . Mal eine andere frage . Von 8.00 – 20.00 komme ich auf eine Arbeitszeit von 12.00 Std. Minus der Arbeitspausen . Die Woche hat 7 tage. Leistet das Personal überstunden oder wie ist das geregelt . Und wenn sie überstunden machen werden sie wohl kaum die Möglichkeit haben sie als Freizeitausgleich zunehmen . Um sie auszuzahlen fehlt ja wohl das Geld . Ab welcher Personalstärke müsste der Flughafen seinen Flugbetrieb einstellen ? Bedanke mich jetzt schon mal über die Antworten.

    1. Danke für Ihre Fragen, die ich aber leider nicht definitiv beantworten kann.

      Natürlich werden nicht ca. 50 Mitarbeiter an 7 Tagen pro Woche jeweils 12 Stunden anwesend sein. Das ist weitgehend auch nicht nötig. WizzAir-Linienflüge stehen derzeit sowieso nur an vier Tagen pro Woche auf dem Flugplan, meistens nicht über den ganzen Tag verteilt. Und wenn doch, müssen die Mitarbeiter dann eben vermutlich eine längere Pause nehmen oder sich anderweitig nützlich machen. Andere Mitarbeiter (Verwaltung) haben sowieso nichts mit dem laufenden Flugbetrieb zu tun.

      Während der Öffnungszeiten müßten m.W. eigentlich nur die Feuerwehr und der Tower permanent besetzt sein (aber die Lotsen sind Beschäftigte einer Fremdfirma und, so ganz klar war mir das nie, vielleicht irgendwie „ausgeliehen“).

      Ob das alles so in Ordnung ist, wird letztlich die Luftaufsichtsbehörde entscheiden müssen, und einem Urteil von dort kann ich nicht vorgreifen. (Wenn es die Behörde denn überhaupt interessiert.)

    1. Danke, wieder etwas dazugelernt. Übrigens interessant das Fehlen des sonst üblichen Zusatzes „OTHER TIMES PPR“ (andere Zeiten auf vorherige Anfrage). Hat man vielleicht nur vergessen?

        1. Das war doch schon immer klar, dass man sich hier Tipps und Informationen holen kann und ALLE mitlesen.

          Ich finde es gut, dass man sich hier sehr frei äussern kann, Anwohner und Bürger aus dem Umfeld der Landewiese, Segel- und Motorflieger u.a. ihre Meinungen austauschen. Danke dafür an dieser Stelle.

          So bekommen wir mehr Verständnis für- und nicht gegeneinander. Und nur gemeinsam können wir Differenzen in Zukunft lösen. Der Tag wird kommen, sofern nicht der nächste „Investor“ das „Drehkreuz des Luftverkehr im Norden“ neu erfindet und die nächste Insolvenz…..

          1. An letztgenanntem Punkt, da bin ich mir hundertprozentig sicher, wird hinter den Kulissen bereits fleißigst gearbeitet. Bisher hatte die Verwaltung noch immer einen Pfeil im Köcher. Leider. Nicht direkt einen neuen „Investor“, aber Mittel, um ihm die Übernahme der Pleitewiese schmackhaft zu machen. Tut mir leid, wenn ich hier den Spielverderber gebe, aber das resultiert aus 30 Jahren Erfahrung in Blankensee (und Beschäftigung mit der Vergangenheit bis 1955 zurück).

Kommentare sind geschlossen.