Ein nicht so toller Bericht des Schleswig-Holstein-Magazins

Tja, ab und zu langt auch mal der NDR leicht daneben. So lief im Schleswig-Holstein-Magazin am 1. Februar ein Beitrag unter dem Titel „Investor für Lübecker Flughafen gesucht“, der Einiges zu wünschen übrig ließ. Im Wesentlichen dargestellt wurde das segensreiche (?) Wirken des Insolvenzverwalters Prof. Pannen, was alleine schon deshalb keine gute Idee war, weil er derzeit nichts Konkretes sagen will, kann oder darf.

Kleinere Ungenauigkeiten wie die folgende kann man ja noch übergehen:

Jetzt muß er [Pannen] schon wieder einen Investor finden, zum zweiten Mal. Im Auftrag der Hansestadt.

Nee, weder muß der Insolvenzverwalter zwingend einen neuen Investor finden, und schon gar nicht ist die Hansestadt der Auftraggeber. Das ist das zuständige Insolvenzgericht. Aber so werden Legenden in die Welt gesetzt.

Klaus Pannen will möglichst viel Masse für die Anteilseigner sichern, also auch für Lübeck.

Aua! Anteilseigner? Das soll wohl Gläubiger heißen. Und welche Masse nach der bereits Anfang Januar erfolgten Anzeige der Masseunzulänglichkeit (nomen est omen) noch vorhanden ist, kann man sich vorstellen. Der NDR scheint das verschlafen zu haben.

Pannens Ziel: Schaden von der Hansestadt Lübeck abzuwenden.

Vielleicht kandidiert er ja bei der nächsten Bürgermeisterwahl (ein Büro am Koberg hat er schon). Die NDR-Leute hat er offenbar bravourös von seinen guten Absichten zum Wohle der Hanselstadt™ überzeugen können. Das ist alles sehr dick aufgetragen. Es reicht doch, wenn Herr Prof. Pannen seinen gesetzlich genau definierten (und gut dotierten) Job macht, woran ich keinen Zweifel habe; da muß er sich doch nicht auch noch als Retter einer Stadt aufspielen bzw. so dargestellt werden.

Immerhin darf er wehklagen, daß alles doch sehr schwierig sei. Na danke; das dürfte anhand der ständigen Fristverlängerungen für den Weiterbetrieb der Landewiese inzwischen jeder gemerkt haben. Sie erinnern sich? Ursprünglich sollte es bis Ende Dezember gehen, inzwischen bis Ende März. Davon aber kein Wort im Beitrag, und demzufolge wird auch nicht untersucht, wie diese ständigen Verlängerungen finanziert werden (und von wem). In diesem Punkt: Thema klar verfehlt.

Wenn Zahlen nicht stimmen oder außerhalb des Kontexts zitiert werden, wird es schon schlimmer. So heißt es:

Rund 40 Millionen Steuergelder hat sie [die Stadt] hier schon reingesteckt.

Schlampig. In welchem Zeitraum? Seit dem unseligen Bürgerentscheid zum Weiterbetrieb durch die Stadt nach dem Ausstieg von Infratil? Das käme hin. Insgesamt sind es deutlich mehr; man kann vom dreifachen Betrag ausgehen, dann allerdings inklusive Fördergelder vom Land, aber auch die hat der Steuerzahler aufbringen dürfen.

Und kein Bericht über die Landewiese wäre komplett ohne einen Besuch in der städtischen Horror-Abteilung.

Findet Klaus Pannen keinen Investor, wird es noch enger für die klammen Kassen Lübecks.

Da wird dann zunächst aus einer „nicht-öffentlichen Vorlage von 2014 zu den Konsequenzen des Insolvenzverfahrens“ zitiert:

der Betreiber müsse „den Flughafen stets im Einklang mit den Bestimmungen des Fördermittelrechts betreiben“

und so weiter. Völlig irrelevant. Erstens ist die Quelle falsch benannt; zitiert wurde aus dem Vertrag mit PuRen Germany. Mit „Betreiber“ ist daher natürlich, zweitens, PuRen Germany gemeint. Das hat mit der jetzigen Situation nichts zu tun.

Willkommen im Gruselkabinett

Aus der nicht-öffentlichen Vorlage zitiert man dann doch noch, aber nur die üblichen Gruselzahlen, die von der Verwaltungs-Folterkammer auf maximale Schockwirkung optimiert wurden. Dabei geht es um 33,4 Mio. – 61,2 Mio. Euro für den Fall, daß sich kein neuer Investor findet, aber wir sind ja im Fernsehen und machen daraus eben mal „bis zu 62 Millionen Euro“. Klatsch, die Horrorzahl bleibt bei den Leuten im Gedächtnis kleben.

Daß in der Vorlage direkt darunter für den Fall einer Abwicklung mögliche Einnahmen z.B. aus Grundstücksverkäufen von bis zu 27,4 Mio. Euro erwähnt, ignoriert der NDR (wie alle anderen Medien zuvor). Dabei sind sowohl die zur Verfügung stehenden Flächen als auch die zu erzielenden Preise teils grotesk niedrig angesetzt.

Ich will das nicht im Detail ausbreiten (siehe stattdessen diesen Artikel), aber diese Zahlen aus dem Jahr 2014 sind teilweise überholt, teilweise schwammig, teilweise irrelevant, teilweise schlechtgerechnet. Nur ein Beispiel: die Flächen nördlich der Blankenseer Straße setzte man dort mit 20 bis 30€ pro Quadratmeter an. Selbst für Gewerbeflächen wäre das wenig (Gewerbeflächen in Flughafennähe bot das städtische U-Boot KWL mal für 61€/m² an). Doch gerade erreicht uns die Nachricht, Professor Pannen kann eines der Grundstücke dort für über 120€/m² verkaufen (um mit dem Geld den Flughafenbetrieb bis März fortsetzen zu können). Na sowas, auf einmal geht‘s!

Von alledem kein Wort im NDR-Bericht. Der übrigens, das muß man ihm bei aller Kritik lassen, insgesamt ausgewogen ist, auch Kritiker zu Wort kommen läßt und sogar eine neue Sichtweise hinzufügt.

Auf einem Treffen der Interessengemeinschaft regionaler Flugplätze in Mannheim sind sich Experten einig: Ohne ein klares Bekenntnis der regionalen Wirtschaft und eine professionelle Ausschreibung beiße in Lübeck keine vernünftige Klientel an.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens findet natürlich keine professionelle Ausschreibung statt. Und was bitte ist ein „Bekenntnis“ der hiesigen Wirtschaft? Ist das nicht eigentlich ein religiöser Begriff?  Sind das die stetigen Forderungen, man wolle endlich eine Anbindung nach da und da und dort, und das bitte zum Nulltarif? Das Beispiel Memmingen zeigt, daß sich selbst mit so einem „Bekenntnis“ (und einem gewissen finanziellen Engagement) der regionalen Wirtschaft nicht betreiben läßt. Die Folge: kuriose Grundstücksverschiebungen.

Ein wenig versöhnt mich zum Schluß das Bonus-Material des NDR im Web. Unter dem Titel „Flughafen Lübeck: ‚Im Prinzip überflüssig‘“ (der Link führt schon vorsorglich auf die archivierte Version) erläutert Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa seine Sicht der Dinge. Zum Beispiel:

Bei Regionalflughäfen von 500.000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr wird man nie ein wirtschaftliches Betreibermodell hinkriegen. Deshalb halte ich es für unwahrscheinlich, dass man für den Flughafen Lübeck alleine einen seriösen Investor finden wird.

Beitragsbild: Prof. Pannen – Screenshot NDR