Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen

Landewiesen-Verwalter Prof. Pannen hat es offenbar geschafft, das Grundstück Blankenseer Str. 100 samt Einfamilienhaus zu versilbern [Nachtrag 25. Februar 2016: oder andernorts Geld aufzutreiben]; das absurde Theater um den Flughafen geht also in eine einmonatige Verlängerung. Aber vielleicht ist das auch nur ein Vorspiel?

Bis Ende März seien noch genug Mittel vorhanden, um einen neuen Betreiber zu finden.

Insolvenzverwalter Klaus Pannen: „Ich habe neue Gelder erschlossen.“

BILD (KOTZ, WÜRG), 23. Februar 2016

Es dürfte sich dabei beim Hausverkauf um nicht mehr als 160.000 Euro handeln, wie glaubwürdige Quellen berichten. [Nachtrag 25. Februar: es ist derzeit unklar, ob der Hausverkauf rechtskräftig abgeschlossen wurde.] Ein Notverkauf, denn der Schätzwert lag bei 212.000 Euro. Geld, auf das die Bürgerschaft der Stadt durch den Verzicht auf ihr Vorkaufsrecht leichtfertig verjubelt hat, um es ganz zielgerichtet in den Weiterbetrieb des maroden Flughafens zu pumpen.

Dabei war es seit Jahren eigentlich Konsens, diesen in der Vergangenheit oft genug gemachten Fehler nie, nie wieder zu wiederholen… wie gerade die SPD immer wieder betont hat.

Beispiel Peter Reinhardt, ehemals Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bürgerschaft:

Wir sagen aber auch, es ist nicht Aufgabe einer Stadt … einen Regionalflughafen zu betreiben und zu finanzieren.

HL-Live, 2. Februar 2012

Aber was geht die Mehrheit der Bürgerschaft ihr dummes Geschwätz von gestern an?

Ad nauseam?

Damit hat man womöglich jetzt einen Präzedenzfall geschaffen, der noch viel größeren Blödsinn ermöglicht. Sie wissen, ich wage normalerweise keine Prognosen, auch diesmal nicht.

Aber folgendes Szenario kann ich nicht ausschließen: Mit ähnlichen Tricksereien – es gibt genügend andere Grundstücke im Besitz der insolventen PuRen Germany – könnte man der Landewiese vermutlich genügend Mittel zuschanzen, um den Betrieb noch sechs bis 12 weitere Monate aufrecht zu erhalten. Das könnte die aktuelle Agenda sein, siehe Andeutungen über eine riesige Flüchtlingsaufnahmeeinrichtung in Blankensee, möglicherweise auf Flughafen-Grundstücken. Stets müßte dabei die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichten. Zu ihrem finanziellen Nachteil.

Nebenbei: in der PuRen-Insolvenz ist am 25. Februar am Amtsgericht Lübeck ein Berichts- und Prüfungstermin anberaumt. Es sind relativ viele Gläubiger involviert, war zu hören. Was sie erwartet, ist unklar.

Auch das vorherige Insolvenzverfahren (Yasmina) ist noch nicht abgeschlossen, eine Insolvenzquote gibt es demzufolge auch nicht, sodaß die Stadt auch nicht weiß, ob sie wenigstens aus dieser ersten Flughafen-Pleite mit wenigstens ein paar Euro herauskommt.

Aber man bevorzugt in der Hanselstadt™ offenbar einen Schrecken ohne Ende anstatt ein Ende mit (immerhin klar definiertem) Schrecken. Herr Prof. Pannen jedenfalls bedankt sich schon mal für das Geschäft, vermute ich. Möglicherweise bereitet die Insolvenz der Landewiese ihm noch einige Jahre lang wahre Freude und ein reichliches Einkommen. Irgendwann wird er dann sicherlich mal Ehrenbürger von Lübeck, und ihm wird ein Denkmal am Koberg errichtet. Neben seinem dortigen Büro.

Autsch nein, pardon, das war nur wieder ein blöder Sarkasmus-Anfall :mrgreen:

Beitragsbild: Thorben Wengert / pixelio.de

12 Antworten auf „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“

  1. So wie es im Moment aussieht sind die Gehälter für den Monat Februar noch nicht mal gesichert. Und war da nicht noch ein Intressent aus dem Westen Europas ? Sollten da auch nicht Entscheidungen fallen ende Februar Anfang März. Noch mal zu den Gehältern ! Das würde ja auch heissen das keine Sozialabgaben abgeführt werden . Und das Finanzamt auch kein Geld bekommt. Natürlich kann man immer mehr Geld reinpumpen oder sagen wir besser verbrennen solange das funktioniert mit dem Verkauf weiterer Grundstücke. Bis es nichts mehr zu verbrennen gibt . Und wer sind die Dummen , die Gläubiger die Hilflos zusehen müssen wie ihr Geld verbrannt wird . Ausser dem Hr. Pannen sein Anteil wandert nicht in den Schornstein.

    1. Das kann ich so nicht stehenlassen. Prof. Pannen erzählt etwas anderes, nämlich daß er bis Ende März weitermachen kann. Ich denke absolut nicht, daß er spinnt. Nur was dahintersteckt, woher das Geld kommt, wissen wir nicht. Müssen wir auch nicht, solange es nicht (direkt oder indirekt) von der Stadt kommt.

      Wo Sie die Gehälter ansprechen: halten Sie es nicht für möglich, daß die verbliebenen Mitarbeiter vorerst auf ihr Geld verzichten?

      Alles reine Spekulation! Ich rate erst einmal zum Abwarten. Was mich am meisten wundert ist allerdings, daß sich die Meldung nicht in unserer hiesigen Qualitätspresse findet, sondern lediglich in einem Hamburger Revolverblatt. Die PR-Abteilung von Prof. Dr. Pannen Rechtsanwälte sollte sich vielleicht mal überlegen, wem man Infos steckt.

      Im Übrigen könnten die Gläubiger jederzeit einen anderen Insolvenzverwalter verlangen. Ich habe (bis zum Beweis des Gegenteils) den Eindruck, daß die meisten Gläubiger das jetzige absurde Theater gutheißen.

      1. Hr. Klanowski ich zweifel auch nicht an das Hr. Pannen nicht die Wahrheit sagt. Vom Verkauf des Sandkrughof ist sicherlich der weiterbetrieb erstmal gesichert . Aber um den Betrieb weiter aufrechterhalten zu können gehört sicherlich dazu das Gebäude Blankenseerstr 100 zu verkaufen. Den Mitarbeitern bleibt ja nichts anderes übrig als auf ihr Gehalt zu warten. Sicherlich da haben sie recht ist alles andere nur Spekulation .
        Mfg Frank Koeller

  2. Morgen wissen wir mehr, zumindest die Gläubiger:

    Berichtstermin und Termin zur Prüfung der angemeldeten Forderungen wird anberaumt auf

    Wochentag und Datum Uhrzeit Raum im Gerichtsgebäude
    Donnerstag, 25. Februar 2016 10:00 Uhr Saal 168 Am Burgfeld 7

    Tagesordnungspunkte:

    a) Bericht des Verwalters (§ 156 InsO),
    b) Beschlussfassung über,
    den Fortgang des Verfahrens, insbesondere die Entscheidung über die Be-triebsführung (§157 InsO), Vorgaben zur Rechnungslegung des Insolvenz-verwalters gemäß § 66 InsO und zur Verwahrung der Wertgegenstände durch den Insolvenzverwalter gemäß § 149 InsO, Entscheidung über die Wirksamkeit der Verwaltererklärung zu Vermögen aus selbständiger Tätigkeit (§ 35 Abs. 2 InsO)
    c) die Beibehaltung oder Neuwahl eines Verwalters gemäß § 57 InsO
    d) die Beibehaltung oder Wahl eines Gläubigerausschusses gemäß § 68 InsO
    e) die Zahlung von Unterhalt an den Schuldner aus der Insolvenzmasse (§§ 100, 101 InsO)
    f) Genehmigung von Rechtshandlungen von besonderer Bedeutung gemäß
    § 160 InsO (z. B. Grundstücks- o. Betriebsveräußerung, Rechtsstreite)

    Es wird darauf hingewiesen, dass die Zustimmung i.S.v. § 160 InsO als erteilt gilt, wenn die einberufene Gläubigerversammlung beschlussunfähig ist.

  3. Hallo Herr Klanowski,
    die Immobilie Blankenseer Str. 100 ist noch nicht verkauft.
    Man hat mir soeben Besichtigungstermine für Freitag angeboten.
    MfG
    Gerhard Haase

    1. Danke für die Info. Das mit dem Haus war die nächstliegende Annahme. Und der Verkauf ist ja nicht abgesagt, also finanziert man mit dem Erlös viellleicht den Weiterbetrieb im April, oder Mai, oder…

  4. Sicher wird Herr Pannen durch das Verfahren gut verdienen, schließlich ist er kein Wohltäter. Aber ob er sich unbedingt damit reichrechnen kann???
    Die Bezahlung der Insolvenzverwaltung ist ja nun fest geregelt und da die Hansestadt Lübeck nicht der einzige Gläubiger ist, der Interesse hat, dem Insolvenzverwalter auf die Finger zu schauen, denke ich mal, die Vergütung bewegt sich im üblichen Rahmen

    http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/fuenf-fragen-zur-bezahlung-von-insolvenzverwaltern-vom-richtigen-lohn-fuers-management-einer-pleite/

    1. Ich habe keine Zweifel daran, daß sich die Vergütung des Insolvenzverwalters Prof. Pannen im „üblichen Rahmen“ bewegt. Es stellt sich trotzdem die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Das ist keine Kritik an Einzelpersonen, sondern am deutschen Insolvenzrecht, das teilweise ans Absurde grenzt.

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