Goldene Presse

Die überregionale Presseschau zur Lübecker Landewiese. Außerhalb der Hanselstadt™ sind Zukunftsphantasien, Lobeshymnen, Durchhalteparolen eher rar gesät.

Bürgerentscheid (Weiterbetrieb durch die Stadt, 2009-2012)

Es war eine fatale und kurzsichtige Entscheidung, als die BürgerInnen des überschuldeten Lübecks den Erhalt des Flughafens in einem Entscheid durchsetzten. Erklären lässt sich das höchstens mit der leichtgläubigen Erwartung, ein Flughafen kurble per se die Wirtschaft an. Schlimm genug. Aber kein Grund, dass sich die Politik diesem Irrglauben anschließt. Es sei denn, man hielte die Logik der Lemminge für beispielhaft.

taz, 8. August 2011

Es ist schon eine irre Subventionierung, die da seit Jahren von den Lübeckern betrieben wird – damit auch die kleine Hansestadt sich rühmen kann, einen eigenen Passagierflughafen zu betreiben. Alternativlos angewiesen auf den Billig-Anbieter, schanzt die Stadt ihm die unterschiedlichsten offenen und verdeckten, legalen und halblegalen Zuschüsse zu, nur um Ryan Air in Lübeck zu halten – und damit den Airport in Betrieb. Und die irische Dumping-Airline? Dünnt ihren Flugplan immer weiter aus – rechnen tut sich Blankensee für Lübeck schon lange nicht mehr.

taz, 16. Oktober 2011

Sollte die Stadt einen Investor finden, der den Airport tatsächlich auf eigenes Risiko betreiben will, wäre auch das kaum mehr als eine Galgenfrist. Profitabel würde Blankensee wohl nie werden.

taz, 24. September 2012

Insolvenz I (Yasmina, 2014)

Es gab eine Zeit, da war Lübeck wirklich bedeutend: Königin der Hanse und so. Ein paar Hundert Jahre ist das her, geblieben sind eine augenfällig schöne Innenstadt und der Titel Weltkulturerbe.Geblieben ist allerdings auch etwas, was nicht ins Auge fällt: die Sehnsucht nach Bedeutung. Und die wird in Lübeck manchmal so übermächtig, dass in dieser Stadt Dinge passieren, die für Nicht-Lübecker ganz schwer verständlich sind. Der Flughafen Blankensee ist so ein Fall.

Hamburger Abendblatt, 23. April 2014

Diesen Flughafen braucht kein Mensch. Profitiert hat nur der Billigfluganbieter Ryanair.

taz, 24. April 2014

Schuld sind der Größenwahn von Kleinstädtern und untergetauchte Investoren. … Die Politiker des hoch verschuldeten Städtchens wären den Landeplatz für Millionenverluste gern losgeworden. … 2009 verhinderten die Bürger das wirtschaftlich gebotene Aus – offenbar ist den Lübeckern seit den Zeiten der Buddenbrooks der Geschäftssinn abhandengekommen.

Die Presse (Österreich), 25. April 2014

Steht das Wasser bis zum Hals, sind offenbar Kommunalpolitiker geneigt, Fragen nach der Seriosität auszublenden – Hauptsache Flughafen. Ryanair hat sich schon entschieden und Lübeck aus dem Flugplan gestrichen. Ob sich daran etwas ändert?

Weserkurier, 12. Juli 2014

Nein, die Präsentation des neuen Investors [PuRen] ist weder schlüssig, noch tragfähig. Die entsprechende Personalauswahl unterstreicht dies nachhaltig. Die mutlose Entscheidung der Politik, basierend auf spärlichen Informationen zu Konzept und Investor, ist sicherlich aus der Not heraus geboren. Sie reflektiert Panik vor der unabwendbaren Wahrheit:

Der Flughafen Lübeck wird nicht benötigt.

Bei einer Schließung müsste die Stadt, laut Aussage des Verkehrsministeriums, Fördermittel in Millionenhöhe zurückzahlen. Zahlen muss sie jedoch so oder so.

Und so wird der hanseatische Patient Flughafen Lübeck weiter leiden.

Huffington Post, 13. Juli 2014

Lübeck ist ein einziges Desaster …

taz, 8. August 2014

Insolvenz II (PuRen, 2015)

Die vermeintlich überraschende Häufung von Pleiten, Pech und Pannen zeigt vor allem eins: Wenn es um Informationen geht, wird in Lübeck nach Strich und Faden rumgeeiert.

shz, 11. Oktober 2015

Insgesamt summieren sich die Verluste des Airports seit 2004 auf über 30 Millionen Euro. Doch statt weitere Fehlinvestitionen zu vermeiden, finanzierten Stadt und Land dem Flughafen für 4,3 Millionen Euro ein neues Landesystem. Nicht besonders klug bei einem Flughafen, auf dem kaum jemand landen mag. Insgesamt belaufen sich die Lasten für die öffentlichen Kassen auf über 60 Millionen Euro. … 2015 ging der Flughafen zum zweiten Mal in die Insolvenz. Die Zukunft ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass die Steuerzahler erneut für die gigantischen Verluste aufkommen müssen.

Telepolis, 22. November 2015

Der Lübecker Flughafen Blankensee – eigentlich hat er abgewirtschaftet. Politisch nicht mehr erwünscht, wirtschaftlich schon lange nicht rentabel, von Fluglinien wie Passagieren links liegen gelassen. Vor wenigen Jahren noch rosige Aussichten und Ausbaupläne, aber was dann kam, waren windige Investoren, allein gelassene Geschäftsführer und fehlende Unternehmenskonzepte – da kommt kein Insolvenzverwalter gegen an.

NDR, 18. März 2016

Der Flughafen in Lübeck hat eine Reihe von Pleiten hinter sich. Immer wieder hat man versucht, den Standort zu retten, doch ein gutes Konzept fehlte. Dabei stürzte sich die Stadt allzu blauäugig auf fadenscheinige Pläne.

shz, 28. März 2016

„Zu einer Weltstadt gehören ein Hafen und ein Flughafen“, hatte [Bürgermeister Bernd Saxe] seinen politischen Anspruch einmal auf den Punkt gebracht — freilich passte dieser schon damals nicht zur wirtschaftlichen Realität. Die jüngere Geschichte des Regionalflughafens liest sich wie eine überdrehte Seifenoper …

Die Zeit, 7. April 2016

Die Geschichte des Flughafens Blankensee klingt besonders abenteuerlich. Vier Besitzerwechsel in den vergangenen Jahren, zwei Insolvenzen. …

Lübeck hat den Kampf aufgegeben. Blankensee wird wohl eine Art Privatflughafen. Der Insolvenzverwalter hat das Gelände gerade an einen Medizintechnikunternehmer verkauft. Ihn habe genervt, sagte der, dass er immer nach Hamburg zum Flughafen fahren müsse. Schließlich sei er kein Frühaufsteher.

Die Welt, 10. Juli 2016

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