Brandbrief aus Brüssel

Ob Ryanair ohne direkte und indirekte staatliche Beihilfen jeglicher Art überhaupt wettbewerbsfähig wäre, wurde ab und zu schon bezweifelt. Eine andere Frage ist, welche dieser Beihilfen rechtmäßig kassiert wurden – und welche mit europäischem Wettbewerbsrecht unvereinbar sind. Betroffen ist aber nicht nur der Billigflieger von der grünen Insel, sondern ein ganzes Konglomerat aus Provinzfürsten, deren Protégés und Prestigeflughäfen. Da das Problem Deutschland besonders zu betreffen scheint, kann es kaum verwundern, daß auch der Flughafen Lübeck erneut ins Visier der Brüsseler Wettbewerbshüter geraten ist.

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Bilanz-Trouvaillien im Gemischtwarenladen (inklusive Salami)

Fast schon ein Roman. Die unlängst vorgelegte Bilanz der Flughafen Lübeck GmbH (FLG) für das Geschäftsjahr 2008/2009 birgt kaum große Überraschungen, aber interessante Details und Merkwürdigkeiten. Der Verlust fiel zwar etwas geringer aus – die Erklärung dafür ist aber vielleicht die größte Merkwürdigkeit. Wer geglaubt hatte, das geheime Gemauschel hinter den Kulissen sei endgültig vorbei, sieht sich getäuscht. Fragen ergeben sich auch bei den gezahlten Löhnen und Gehältern. Zu allem Überfluß haben die FLG und ihr Alleineigentümer, die Hansestadt Lübeck, jetzt offenbar eine Doppelstrategie eingeschlagen und erzählen in Sachen Ausbau jedem nur noch das, was er gerne hören möchte. Salamitaktik pur.

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Lübecker Wendehälse, irische Schoßhündchen und komische Säue im Dorf

Es freut einen besonders, wenn man vom Vorsitzenden der Lübecker FDP-Bürgerschaftsfraktion zitiert wird (wenngleich ohne Quellenangabe). Oder war das nur Zufall? Egal. Ryanair-Boß O’Leary erzähle viel, ,,wenn der Tag lang ist“, erklärte FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke in der hiesigen Monopolpresse am 28. September 2010. Zum Vergleich: ich schrieb hier am 24. September 2010, „O’Leary erzählt viel, wenn der Tag lang ist.“ Da sind wir uns wohl einig; nur, welchen Schluß zieht man daraus?

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Gute Nachrichten – schlechte Nachrichten

Die gute Nachricht: die Landesregierung ist zu dem Schluß gekommen, daß immer neue Millionenspritzen in einen praktisch exklusiv von Ryanair genutzten Flughafen auf Dauer verpulvertes Geld sind. Sämtliche Förderungen werden ab 2011 eingestellt. Die schlechte Nachricht: das ganze spielt sich in Thüringen ab, nicht in Schleswig-Holstein. Noch nicht.

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„Lobende“ Erwähnung für Flughafen Lübeck

Ryanair-Boß Michael O’Leary erzählt viel, wenn der Tag lang ist. Inzwischen hat sich in der Wirtschaftspresse die Fachrichtung der Ryanair-Astrologen entwickelt, die– analog zu den Kreml-Astrologen im Kalten Krieg – versucht, Sinn aus den Äußerungen des (unter Gegnern wie Bewunderern inzwischen nur noch als MOL bekannten) Meisters zu saugen. In Interviews der letzten Zeit kündigt er an, Flüge von regionalen Billig-Rollfeldern hin zu etablierten Flughäfen zu verlagern. Und zumindest ein Artikel erwähnt in diesem Zusammenhang Lübeck. Erübrigt sich der Sozialflughafen Lübeck bald selbst mangels eines Hauptkunden?

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Der Fluch von Dublinovgorod

Planungssicherheit auf mindestens zwei Jahre durch Bürgerentscheid. Es hagelt geradezu staatliche Subventionen. Ryanair hält dem Flughafen Lübeck, jedenfalls diesen Sommer noch, die Treue. Und dann dieser verregnete August, der die Hanseaten doch in Scharen in angenehmere Gefilde hätte treiben müssen. Das perfekte Rezept für eine sonnige Flughafenbilanz im August 2010! Zu blöd: selbst das hat nicht geklappt. Es geht immer weiter bergab.

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Geld zurück – och nöö…?

Eigentlich hat sich die Pseudo-Fliegersprache in Artikeln zum Thema Flughafen Lübeck inzwischen abgenutzt: Sie wissen schon, der ständige Kreislauf von „durchstarten“ – „Höhenflug“ – „Sinkflug“ – „Reißleine ziehen“ – „Bruchlandung“ und so weiter. Reden wir stattdessen vom Wetter: neue dunkle Wolken ziehen über Blankensee auf, denn laut Entgeltordnung des Flughafens müßte Ryanair wegen gesunkener Passagierzahlen möglicherweise Rabatte zurückerstatten. Es wird spannend, denn ob die Iren das besonders witzig finden, und ob es überhaupt eine Nachforderung geben wird, ist offen. Der Lübecker Steuerzahler könnte wieder mal der Dumme sein (es wäre ja nicht das erste Mal).

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Alles Abzocke oder was?

Wer die Luftverkehrsabgabe als Abzocke bezeichnet, mag in gewisser Weise recht haben. Es liegt in der Natur von Steuern, daß sie oft als ungerecht empfunden werden. Nur sollte sich die Aufregung gegen die echten Abzocker richten, die Steuergelder direkt in ihre Firmentresore umzuleiten wissen. Leider helfen ihnen naive staatliche Stellen dabei.

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Auch der große Bruder hat Ehe-Probleme

Manchmal hat man den Eindruck, der Flughafen „Frankfurt“-Hahn ist der große, auf irgendeine unheimliche Weise ähnliche Bruder des Flughafens „Hamburg“-Lübeck. Aber vielleicht liegt es nur an der Abhängigkeit beider Einrichtungen von einem gewissen irischen Hauptkunden. Die Bürgerinitiative Nachtflughafen Hahn e.V. hat jetzt Ankündigungen, Prognosen und Realität in Sachen Ryanair miteinander verglichen. Die Diskrepanzen sind denen in Lübeck vergleichbar.

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